|
Sapporo 🇯🇵
|

Sapporo ist eine 2-Millionen-Stadt ohne viel Flair oder besonders attraktive Sehenswürdigkeiten. Die Strassen sind schachbrettartig angeordnet, was der Innenstadt eine gewisse Nüchternheit auch auch ein wenig Langweiligkeit verleiht. Beim Schlendern durch die Stadt wurde uns die Absurdheit des japanischen Umgangs mit dem Rauchen besonders deutlich. Auch in anderen Städten Japans ist es zwar unüblich, mit einer Zigarette in der Hand herum zu spazieren. Man stellt sich stattdessen irgendwo in eine Ecke und raucht dort. Ist dieser Ort mit Zeichen am Boden als „Smoking Area“ gekennzeichnet, steht dort auch ein Aschenbecher. Ansonsten tragen die Raucher kleine portable Aschenbecher mit sich, und tatsächlich sieht man auch nirgendwo Kippen herum liegen. In Sapporo ist das Regime noch um einiges strenger: Gekennzeichnet ist praktisch der gesamte öffentliche Raum als „Non Smoking Area“, und portable Aschenbecher sind bei Busse verboten. Die einzige Möglichkeit, im Freien zu rauchen besteht also dort, wo ein paar wenige Firmen vor ihren Gebäuden Aschenbecher für die Mitarbeitenden aufgestellt haben, die in der Pause schnell eine Zigi rauchen wollen. So weit so gut, und man könnte das ja alles auch einfach für eine besonders strikte Antitabakstrategie halten, die da im Namen der japanischen Volksgesundheit betrieben wird. Aber wie so oft in Japan, ist es anders, als es auf den ersten Blick scheint. Der Raucher kann diesen Restriktionen nämlich relativ einfach entfliehen, indem er sich in seinen privaten Bereich, also seine Wohnung zurück zieht, wo ihm der Staat keine Verhaltensvorschriften macht. Was aber macht der rauchende Tourist, der ja keine Privatwohnung hat? Er hat es fast genau so einfach, denn anstatt wie bei uns, ein Restaurant zu verlassen, wenn der Drang nach Nikotin zu gross wird, muss man es in Japan genau dann betreten! In jedem Restaurant wird nämlich im Gegensatz zu draussen hemmungslos gequalmt, ein Rauchverbot käme hier nicht in Frage. Es gibt auch viele Hotels, in denen kein oder zumindest praktisch kein Nichtraucherzimmer erhältlich ist. Dass aber die Vorschrift, nicht mit einer brennenden Zigarette in der Hand draussen herum zu laufen, dennoch ein Verdikt im Sinne der Volksgesundheit ist, haben wir dann auch noch heraus gefunden. Es geht dabei nämlich darum, mit der 700°C heissen Glut an der Zigarettenspitze beim Herumgehen nicht aus Versehen Mitmenschen zu verletzen. Und die Sicherstellung der Sicherheit vor Unfallgefahren, ist in Japan ein so ernsthaft betriebenes Unterfangen, dass man darüber ein eigenes Kapitel schreiben könnte…
Temperaturmässig ist es hier tatsächlich um einiges angenehmer als in Tokyo und nicht so „klebrig“ sondern eher vergleichbar mit einem durchschnittlichen Schweizer Sommer. Die sommerliche Atmosphäre merkt man am deutlichsten, dass sich vieles Draussen abspielt. Die „Nomikai“, in Japan verbreitete (feier)abendliche Trinktreffen unter Arbeitskollegen, finden hier nicht wie sonst üblich in Izakaya-Kneipen sondern in Biergärten im Freien statt. Dass Sapporo eine eigene berühmte Biermarke hat, sieht man hier auf Schritt und Tritt, und oft haben die Gruppen in den Biergärten dann gleich ein eigenes kleines Sapporo-Bierfässchen auf dem Tisch stehen…









