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Milano 🇮🇹
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Unsere 48 Stunden in Milano sind so rasch verflogen, wie Herbstblätter im Novemberwind, und ich komme erst jetzt auf der Heimfahrt im Zug dazu, ein paar meiner 1000 Eindrücke zu teilen.

Den Sonntag hatten wir uns für Kunst und Kultur aufgehoben (was ein strategischer Fehler war, doch davon später…). Der Auslöser, dass wir schliesslich Milano für unsere kleinen Auszeit ausgewählt hatten, war die Triennale, deren aktuelle 24. Ausgabe dem Thema „Inequalities“ gewidmet ist und in rund zwei Dutzend Ausstellungen und Veranstaltungen nachhaltige Lösungen auf globale Ungleichheiten vorschlägt. Nicht bewusst war uns bei unserer Planung, dass wir genau den letzten Tag der Veranstaltung erwischt hatten. Die Triennale Milano wurde 1923 gegründet und gilt als eine der zentralen Plattformen für Design und Architektur weltweit. Sie vernetzt Künstler, Designer, Architekten und Forscher mit dem Publikum und prägt massgeblich die Diskussion über Ästhetik, Nachhaltigkeit und Innovation. Durchführungsort ist der wunderbare Palazzo dell’Arte im Parco Sempione, der vom Architekten Giovanni Muzio entworfen wurde.

Erst im Inneren des Gebäudes zeigen sich seine wahren Dimensionen, wenn man immer noch mehr endlose Flügelgänge mit weiteren unzähligen Ausstellungsräumen und -flächen entdeckt.

Im Ganzen wurde mir der umfangreiche Parcour tatsächlich auch etwas zu viel; dies auch deshalb, weil sich das Ungleichheitsthema in eine unüberschaubare Breite erstreckte, die Migration, Ernährung, Bildung, Demokratisierung, Ökologie, innovative Technologien und vieles mehr umfasste.

Für sich gesehen, waren aber alle gesehenen Beiträge spannend. Ich mag es zudem sehr, wenn Wissenschaft und Ästhetik Hand in Hand gehen. Die folgende wunderschöne Skulptur ist zum Beispiel nicht einfach „nur“ ein Kunstwerk, sondern Teil eines Ausstellungsbeitrages, der verschiedene Darstellungsmöglichkeiten von statistischen Daten zeigte, die ich schlicht hinreissend fand.

Dasselbe gilt auch für die Installation “Dafne’s Skin“, die Sabinas Mitbewohner Tiziano Derme und Daniela Mitterberger entworfen haben. Als Architekt:innen forschen die beiden in einem internationalen Netzwerk an der Verbindung von biologischen Phänomenen mit neuen Technologien. Kurz und knackig beschrieben ist das Dafne-Projekt hier.

Beeindruckt aber schon ziemlich erschlagen von so vielen Eindrücken, machten wir uns nach dem Mittag auf den Weg in Richtung Porta Romana und nutzen erneut das schöne und milde Wetter, indem wir eine grosse Strecke davon zu Fuss gingen. Unser Ziel war die Fondazione Prada, ein weiteres beeindruckendes Kulturzentrum, das Kunst, Architektur und Design vereint. 1993 von der Marke Prada gegründet, befindet sich die Stiftung in einem umgebauten Industriekomplex, dessen Architektur von Rem Koolhaas und Herzog & de Meuron stammt. Bestehende Gebäude wurden restauriert und durch Neubauten ergänzt und verbunden. Besonders hervorzuheben ist das „Podium“, das vollständig mit Blattgold überzogen ist.

Der Anspruch an hochwertige Materialien und schickes Design macht hier selbst vor den Toiletten nicht Halt.

Die Fondazione beherbergt stehende Ausstellungen, ein Kino und wechselnde Installationen zeitgenössischer Künstler.

Witzig war zum Beispiel eine Sammlung von grob gekneteten Tonarbeiten des Schweizer Künstlerduos „Fischli/Weiss“, das thematisch einen Querschnitt durch alltägliches, absurdes und allerlei anderes bot. Man konnte sich gut vorstellen, wie sich die beiden Künstler beim Erschaffen dieser kleinen Werke vermutlich amüsiert haben.


Sabina und ich amüsierten uns ebenfalls bestens, und zwar damit, dass wir die Fondazione-Kunstwerke für einige kleine Selbstinszenierungen nutzten.



In einem der Gebäude, dem weissen „Torre“, ist neben mehreren Etagen mit Kunst auch ein Restaurant untergebracht, in dem wir einen Tisch für das Nachtessen reserviert hatten. Das Essen war zwar wirklich fein, aber die kühle und ziemlich schickimickige Atmosphäre hat uns nicht überzeugt, sodass ich dies nicht wirklich weiter empfehlen kann.

Dafür war die Aussicht von der Terrassse auf das abendliche Mailand ziemlich spektakulär.

Hier im Quartier Porta Romana wird seit Jahren gebaut wie wild. Durch Abrisse wurde ein riesiges Areal frei, welches das alte olympische Dorf der Sommerspiele 1906 und diverse Industriekomplexe umfasst hatte. Entstehen wird darauf nun ein neues Stadtviertel mit Wohnungen, Geschäften und Büros. Geplant sind aber auch Grünflächen und öffentliche Räume. Zudem schliesst sich hier auch ein Kreis bzw. ein olympischer Ring, da auf dem Gelände auch Sportstätten für die bevorstehenden Winterspiele 2026 entstehen.

Wie ich zu Beginn dieses Blogbeitrages geschrieben habe, war der Besuch der Fondazione Prada ein strategischer Fehler in unserem Programm. Denn als eines der wenigen (Kunst)Museen der Welt, ist sie auch am Montag geöffnet. Für diesen letzten Tag unseres Aufenthaltes hatten wir eigentlich vorgesehen, den Monumentalfriedhof (Cimiterio Monumentale) mit seinen atemberaubend opulenten Grabstätten zu besuchen, was mir als Tipp empfohlen wurde. Doch da der Friedhof offiziell überraschenderweise als Museum klassifiziert ist, gilt eben auch hier: Montag geschlossen. Wir hätten den Friedhof also besser am Sonntag, und dafür die Fondazione Prada am Montag besucht. Dieser planerische Patzer ist aber deshalb nicht weiter schlimm, weil Sabina und ich gemerkt haben, wie toll ein solcher Ausflug nach Milano ist und dies also sowieso bald einmal wiederholen möchten. Dann können wir sowohl den verpassten Cimiterio-Besuch nachholen, als auch weiter auf Entdeckungstour gehen. Bis dahin wird dann auch die Frühlingsmode in den Geschäften sein, und das Spazieren durch die endlosen Pärke und Alleen bringt statt dem Rascheln von Herbstblättern, das Spriessen der Blumenpracht hervor. Vorerst aber sage ich: Grazie Milano, du hast mir gut getan!

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Danke ein sehr spannender Blog über diese schöne Stadt 😍
Das war eine schöne und inspirierende Auszeit mit dir, liebe Flurina und das Professorinnen-Foto der Blumengeschäftsinhaberin gefällt mir ganz besonders gut. Kannst du mir mal die Fotografin nennen? und danke, dass du alles recherchiert hast, was ich bereits wieder vergessen hatte…;)