Chottooooo…..

Tokyo 🇯🇵

Wenn jemand die japanische Sprache erlernen will, ist es nicht damit getan, Wörter auswendig zu lernen, Grammatik zu büffeln und Schriftzeichen-Akrobatik zu üben. Genau so wichtig – aber auch genau so schwierig – sind die Feinheiten zwischen den Zeilen… Beispielsweise beim Begriff „chotto“ (ちょっと), ausgesprochen: tschotto). Wörtlich übersetzt bedeutet chotto „ein bisschen“, und in der Regel wird es auch genau so verwendet, z.B wenn etwas ein bisschen scharf (chotto karai) oder ein bisschen anstrengend (chotto taihen) ist. Nicht mehr ganz so einfach zu verstehen ist es, wenn man als Antwort auf eine Frage oder ein Anliegen einfach nur ein chottooooo….. mit lang gezogener letzter Silbe erhält und dabei in ein etwas ratlos-verlegenes Gesicht blickt. Denn damit sagt die Person eigentlich, dass die Frage, die man gestellt oder das Anliegen, das man geäussert hat, ein bisschen schwierig oder ungünstig ist. Dies aber auszusprechen, möchten Japaner lieber vermeiden, weshalb sie also einfach sagen: Das ist ein bisschennnnnn….. Das Unjapanischste was man in einem solchen Fall tun kann, ist zu insistieren, dass einem das Anliegen aber wirklich sehr sehr wichtig ist. Denn eigentlich meinte die Antwort chottooooo….. nicht einfach nur „das ist ein bisschen schwierig“ sondern: GEHT NICHT, VERGISS ES! Aber so etwas auszusprechen ist für Japaner ein Ding der Unmöglichkeit, weshalb sie sich darauf verlassen, dass man ihr chottooooo….. schon richtig interpretiert und die Sache einfach ruhen lässt.

Als ich mich bei der Buchung unserer Unterkunft in Tokyo vorab erkundigte, ob wir diese allenfalls bereits ein paar Stunden früher als angegeben beziehen könnten, und als Antwort ein lang gezogenes chottooooo…….. zu hören bekam, wusste ich also: GEHT NICHT, VERGISS ES! Doch was macht man, wenn man nach einem ermüdenden Langstreckenflug früh morgens am Flughafen Tokyo-Narita landet und erst am Nachmittag in seine Unterkunft einchecken kann? Bei unserer ersten Japanreise vor mehr als 10 Jahren hatten wir hierfür von einem Freund einen guten Tipp bekommen, den ich gerne weiter gebe: Lass dein Gepäck am Flughafen aufbewahren und fahre per Zug, Bus oder Taxi zum Narita-san Tempel in Narita-Stadt, der kleinen Ortschaft, zu welcher der internationale Flughafen von Tokyo gehört. Das ist zwar ungefähr so, wie wann man nach der Landung am Flughafen Zürich beschliessen würde, sich erst mal ein wenig im Zentrum von Kloten umzusehen, aber natürlich sehr viel reizvoller… Gerade für die Ankunft einer allerersten Japanreise, lässt einem ein Augenschein rund um den Narita-san Tempel sofort erkennen, in was für einem wunderbaren Land man angekommen ist. Und ein paar Momente in dieser ruhigen Oase tun einfach auch gut, bevor man sich dann auf den Grossstadt-Dschungel von Tokyo einlässt.

Das Narita-san Tempelgelände ist sehr weitläufig  und umfasst ausser mehreren Tempel- und Schreingebäuden auch Statuen und Steinpagoden, die an moosigen Waldwegen stehen, welche entlang von Bachläufen zu drei Teichen führen.

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Ist man nach der Besichtigung der Tempelanlage wieder an deren Basis angekommen, schlängelt sich gleich daneben ein kleines Strässchen mit alten Häusern den Hügel hoch. Hier gibt es unzählige Souvenirs und Delikatessen zu kaufen, und in den vielen Restaurants kann man bestens ein Mittagessen geniessen. Einige der Restaurants sind auf Aal vom Grill spezialisiert und bereiten die Aal-Spiesse gleich vor den Augen der Gäste im Freien zu. Aber auch als Vegetarierin war ich bestens bedient, und zwar mit Zaru-Soba, einer typischen Sommerspezialität, die aus kalten Buchweizennudeln besteht, welche man vor dem Essen durch eine leichte Sojasauce zieht und verschiedenen Gemüse-Tempura.

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Irgendwann war es dann aber doch so weit, dass wir nach Tokyo weiterfahren und unsere Unterkunft beziehen konnten. Bei früheren Japanreisen hatten wir in Kyoto einige Male statt eines Hotelzimmers ein kleines Haus gemietet, was uns sehr zugesagt hat. Da wir diesmal zunächst fast eine ganze Woche in Tokyo bleiben, wollten wir etwas ähnliches auch hier machen. Statt einem idyllischen Altstadthäuschen, wie jeweils in Kyoto, haben wir hier in Tokyo jedoch ein modernes Appartement im schrillen Quartier Akihabara ausgesucht. Wenn es etwas gibt, das in Tokyo knapp ist, dann ist es Platz. Deshalb sind in dieser Stadt sowohl die meisten Privatwohnungen als auch die Hotelzimmer in der Regel aussergewöhnlich klein. Unser Appartement ist diesbezüglich keine Ausnahme, denn es ist in etwa nur so gross wie ein gewöhnliches Hotelzimmer, mit der Besonderheit, dass man darin eine ganze Wohnungseinrichtung untergebracht hat… Doch trotz wenig Platz ist es für uns nun einfach unser kleines Zuhause in Tokyo.

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Nun wird erstmal ein wenig ausgeruht und abgewartet, bis die grösste Hitze vorüber ist, um dann unsere Umgebung zu erkunden, weil dieses Quartier für uns völlig neu ist…

 

2 thoughts on “Chottooooo…..

  1. Da werden Erinnerungen wach – Narita und die Tempelanlage war in der Tat eine wunderbare und sanfte Einführung in das damals uns noch unbekannte Japan. Ich wünsche Euch tolle Entdeckungen, feines Essen, kühle Drinks – geniesst die Outdoor-Sauna Tokyo.

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