2014 – 🇲🇲 Mingalabar Myanmar

Map Myanmar

Diesmal führt unsere Reise nach Burma. Aber heisst das denn nicht Birma? Oder etwa Myanmar? Das südostasiatische Land am Golf von Bengalen wird unterschiedlich benannt. Ursprünglich in der birmanischen Sprache als Myanma bezeichnet, hatten die Engländer ihre Kolonie in Burma umbenannt. Im Deutschen war Birma die geläufigste Bezeichnung. Die Militärregierung änderte den Namen 1989 in Union Myanmar. Offiziell sollte damit die koloniale Vergangenheit abgeschüttelt und die ursprüngliche Landesbezeichnung wieder eingeführt werden, welche alle ethnischen Gruppen des Vielvölkerstaates einschliesse. Die regimekritische Opposition blieb jedoch bei der Bezeichnung Burma. Dabei richtete sich ihre Kritik weniger gegen die Bezeichnung Myanmar selbst, sondern vielmehr gegen den Vorgang der Umbenennung: Der Militärregierung wurde das Recht abgesprochen, eine solche Entscheidung zu treffen, ohne das Volk dazu zu befragen. Auch im Ausland wurde die von der Militärjunta beschlossene Namensänderung zur Union Myanmar nicht von allen Staaten angenommen. So halten z.B. die USA als Zeichen ihrer Missbilligung des Militärregimes nach wie vor am Namen Burma fest. In der Schweiz wird offiziell die Bezeichnung Myanmar gebraucht, viele deutschsprachige Medien verwenden aber Burma (eher in der Schweiz) oder Birma (eher in Deutschland).

Burma ist flächenmässig das grösste Land Südostasiens mit geschätzten 55’000’000 Einwohnern. 70% sind buddhistische Birmanen, die restliche Bevölkerung setzt sich aus den Volksgruppen der Shan, Karen, Kayah, Arakanesen, Kachin und Mon sowie den muslimischen Rohingyas zusammen. Die Kämpfe der militärischen Machthaber mit diesen Minderheiten, die meist in den Grenzgebieten zu den Nachbarstaaten China, Thailand, Laos, Indien und Bangladesch leben, sind nach wie vor heftig und blutig, auch wenn inzwischen erstmals seit Mitte des letzten Jahrhunderts auch wieder Verhandlungen über ein friedliches Miteinander geführt werden. Die Rohingyas, welche nicht einmal als Staatsbürger anerkannt sind sondern als Bengalen angesehen werden, die sich illegal in Myanmar aufhalten, gelten gemäss der UNO gar als meistverfolgte Minderheit der Welt. Der tief spirituelle burmesische Buddhismus zeigte seine politische Seite vor allem 2007 in den von Mönchen und Nonnen angeführten Demonstrationen gegen das Regime, was im Ausland positiv wahrgenommen wurde. Dass die politische Seite des Buddhismus aber auch ein hässliches Gesicht haben kann, wird klar, wenn man realisiert, dass die radikalste antiislamische Bewegung Burmas eine extremistische buddhistische Sekte mit dem Namen 969 ist, die von einem 45-jährigen Mönch angeführt wird, der wegen Volksverhetzung bereits einmal juristisch verurteilt worden ist.

Burmas Bevölkerung ist arm, auch wenn das Land reich an Edelhölzern, Bodenschätzen und Offshore-Öl ist. Aufgrund wirtschaftlicher Sanktionen des Westens ist Burma jedoch sowohl im Import- als auch im Exportbereich abhängig vom übermächtigen Nachbarn China. Die Demokratisierungsbemühungen sind denn auch stark vor dem Hintergrund zu sehen, dass Burma nur damit überhaupt eine Chance hat, auch Handelspartner zu finden, die mehr Wert auf Menschenrechte legen als China. Westlichen Partnern dürfte aber auch noch etwas anderes ein Dorn im Auge sein: Neben den erwähnten Produkten hat Burma nämlich noch zwei weit problematischere Exportschwerpunkte: Es ist nach Afghanistan der zweitgrösste Opiumexporteur und weltweit sogar der grösste Produzent von Metamphetaminen.

Die bekannteste Persönlichkeit Burmas, und quasi eine lebende Legende, ist Aung San Suu Kyi, die Tochter des Unabhängigkeitshelden Aung San, der 1947 ermordet wurde und seither als Märtyrer für den unzerstörbaren Glauben Burmas an die Freiheit steht. Nach dem gescheiterten Aufstand 1988, an dessen Spitze sie stand, lebte Aung San Suu Kyi – oder die Lady, wie sie auch genannt wird – insgesamt fast 20 Jahre lang unter Hausarrest, aus dem sie 2010 schliesslich entlassen wurde. Den ihr 1991 verliehenen Friedensnobelpreis konnte Sie deshalb erst 2012 in Oslo in Empfang nehmen. Ebenfalls 2012 hat die inzwischen 67-jährige Oppositionsheldin mit ihrer Partei NLD in einem überwältigenden Wahlerfolg 43 Sitze im Parlament gewonnen. Seither wurde zwar einiges erreicht, aber als Aung San Suu Kiy anfangs 2012 von einem ausländischen Journalisten gefragt, wurde, wo sie die demokratische Entwicklung Burmas auf einer Skala von eins bis zehn einordnen würde, antwortete sie:“Wir nähern uns der eins.“ Wie ernst es den Machthabern in Burma mit der Demokratisierung tatsächlich ist, wird denn auch ein Stück weit an den Wahlen 2015 gemessen werden können, bzw. daran, ob und wie stark sie versuchen werden, die enorme politische Erfolgsgeschichte von Aung San Suu Kyi und ihrer NLD auf diese Wahlen hin wieder zu begrenzen oder nicht.

Warum also bei all diesen beschriebenen problematischen Aspekten überhaupt nach Burma reisen? Trotz der belasteten Geschichte dieses Landes, welche teilweise auch die Gegenwart noch prägt, geht für uns ein ganz besonderer Zauber von Burma aus, der viel mit den Menschen zu tun hat, welche gerade im Kontrast zu ihrem harten Dasein eine tiefe Zuversicht in eine bessere Zukunft ausstrahlen. Das Land in einem Moment besuchen zu können, der hoffentlich wegweisend für eine solche Zukunft steht, ist für uns ein grosses Glück. Aung San Suu Kyi empfahl bis 2011 das Land nicht zu bereisen, um nicht mit Tourismusgeldern das Regime zu stützen. Danach zog sie diese Aussage aufgrund der politischen Veränderungen zurück, empfiehlt aber weiterhin nur Individualreisenden den Besuch, weil das Tourismusgeld von Reisegruppen eher kanalisiert werden kann und dann in die weitverstrickte regierungsnahe Oberschicht fliesst. Wir reisen über Bangkok nach Yangon. Von dort führt uns die Reise weiter nach Nyaungshwe am Inle-See, auf einem Hochplateau auf ca. 1000 müM. Die nächsten Stationen sind Mandalay und Bagan, bevor wir zum Abschluss noch ein paar Tage am Strand von Ngapali verbringen werden. Mehr als eine Schnupperzeit in Burma kann es also nicht werden aber vielleicht kommen wir ja beim Schnuppern auf den Geschmack für einen späteren längeren Aufenthalt… Doch zunächst führt uns unsere Reiseroute nun noch für ein paar Tage nach Luang Prabang in Laos. Und wer mag, reist an Bord dieses Tagebuches einfach virtuell mit!

Willkommen an Blog-Bord auf unserer Reise durch Burma, Birma oder Myanmar…

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