Kreuz und quer über die Insel

Teguise – Janubio – Volcan El Cuervo – Uga – Nazaret 🇪🇸

Im letzten Beitrag hatte ich berichtet, dass in der grossen Weihnachtskrippe (Belén) im Dörfchen Yaiza nicht nur die Geschichte von Jesu Geburt dargestellt ist, sondern auch viele Sehenswürdigkeiten von Lanzarote ihren Platz haben. Immer, wenn wir seither irgendwohin kommen, haben wir das Gefühl, diesen Ort schon zu kennen – bis wir jeweils merken, dass wir einfach die Miniaturausgabe davon in der Belén von Yaiza gesehen haben. So zum Beispiel die Kirche „Iglesia de Nuestra Señora de Guadalupe“ in Teguise,

oder die Salinen von Janubio.

Interessanterweise gibt es bei Küstensalinen oft sehr gute Restaurants mit Meeresküche, die meist auch Gerichte in der Salzkruste oder auf einem Salzbett anbieten. Schon bei unserem Besuch der Salinen von Fuencaliente auf La Palma im letzten Jahr, haben wir ausgezeichnet, und mit schönem Blick auf die Salzfelder gegessen, und auch hier auf Lanzarote war dies im Restaurant „Mirador de las Salinas“ der Fall. Wir hatten ausgesprochenes Glück, ohne Reservation zum Mittagessen einen Platz auf der Terrasse zu erhalten.

Auch eine weitere Vulkan-Tour stand auf unserem Programm; diesmal zu Fuss rund um den „Volcán de los Cuervos“, der zu den Feuerbergen (Montañas del Fuego) zählt. Die dunklen Lavaflächen mit erst spärlich zurückkehrender Vegetation erzählen eindrücklich von der zerstörerischen, aber zugleich landschaftsprägenden Kraft des Vulkanismus.

Von diesem Krater aus nahm 1730 die gewaltige Feuer- und Lavaepisode ihren Anfang, die sechs Jahre dauern sollte und das heutige Timanfaya-Gebiet formte.

Der Vulkankegel selbst ist vergleichsweise gut erhalten und über einen einfachen Rundweg zugänglich.

Ein Bruch im Kraterrand ermöglicht das Betreten des Schlots und lässt die Dynamik der damaligen Eruption erahnen.

Auf Lanzarote sieht man – zumindest zu dieser Jahreszeit – selten etwas blühen und freut sich deshalb umso mehr über einen kleinen Farbtupfer am Wegesrand.

Auf der Rückfahrt fuhren wir durch das kleine Dörfchen Uga, wo eine hübsche Kirche steht (die wir selbstverständlich auch schon im Kleinformat in der Krippe von Yaiza gesehen hatten ;-).

Direkt neben der Kirche haben wir die Statue eines Sportlers entdeckt, dessen Kleidung – nicht aber die Statur… – an einen Schweizer Schwinger erinnert.

Es handelt sich um Joaquín Rodríguez Cabrera, einen berühmten  „luchador“ aus Uga, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Legende der kanarischen Ringer-Szene wurde. Die „Lucha Canaria“ ist eine der ältesten lebendigen Traditionen der Kanarischen Inseln. Gekämpft wird barfuss in einem kreisförmigen Sandring, wo Technik, Gleichgewicht und Fairness wichtiger sind als rohe Kraft. Ziel des Kampfes ist es, den Gegner so aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass er mit einem Körperteil – ausser den Fusssohlen – den Boden berührt. Die Vielzahl an Griffen und Würfen, den sogenannten „mañas“, macht jede Begegnung zu einem taktischen Duell. Bis heute zieht die Lucha Canaria Zuschauer aller Generationen an und verbindet sportlichen Wettkampf mit Respekt, Ritual und gelebter Geschichte – vermutlich tatsächlich ganz ähnlich, wie ein Schweizerisches Schwingfest. Viel mehr als Kirche und Statue gab es in Uga allerdings nicht zu sehen, da der jeweils am Samstag stattfindende Markt zwischen Weihnachten und Neujahr offenbar ausgefallen ist.

In der Nähe von Teguise, im kleinen Örtchen Nazaret steht ein weiteres spezielles Haus von César Manrique, um das sich eine besonders abenteuerliche Legende rankt.  Der englische Immobilienmakler Sam Benady gab Manrique und Jésus Soto anfangs der 1970er Jahre dieses aussergewöhnliche Anwesen in einem alten vulkanischen Steinbruch in Auftrag. Im typischen Manrique-Stil wirkt das Haus mit seinen verschachtelten Ebenen, Höhlen und Treppen wie eine Mischung aus Kunstwerk, Wohnraum und Traumlandschaft.

Der berühmte Schauspieler Omar Sharif hielt sich zur Zeit der Erstellung dieses Hauses auf Lanzarote auf, weil auf der Insel Dreharbeiten zum Film „Herrscher einer versunkenen Welt“ stattfanden. Als er das Haus sah, war er sofort fasziniert und entschied sich spontan zum Kauf. Sharif war bekannt für seine Leidenschaft für Kartenspiele, insbesondere Bridge, und genau hier setzt der Wendepunkt der Geschichte an. Sam Benady forderte Sharif zu einer Partie Bridge heraus, worauf dieser das neu erworbene Haus als Einsatz auf den Tisch legte. Sharif verlor das Spiel – und damit das Haus, das nur einen einzigen Tag in seinem Besitz war – wieder an Benady, der europäischer Bridge-Meister war, ohne dass Sharif dies wusste. Im Haus ist diese Szene sogar nachgestellt und wirkt, als hätten die beiden Gentlemen den Spieltisch nur gerade kurz verlassen.

Sharif soll Lanzarote kurz darauf enttäuscht verlassen haben und nie mehr an diesen Ort zurückgekehrt sein. Das Haus aber heisst nach wie vor „Casa Omar Sharif“ oder einfach „LagOmar“. Später wechselte es mehrfach den Besitzer, bis es vom deutsch-uruguayischen Architektenpaar Dominik von Boettinger und Beatriz van Hoff gekauft, restauriert und 1997 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

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3 thoughts on “Kreuz und quer über die Insel

  1. Selten zuvor habe ich einen Reisebericht über Lanzerote so genossen und bin fasziniert! Danke Dir sehr!

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