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De Haan aan Zee 🇧🇪
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In der 2. Hälfte unserer Küstentage ging es eher abenteuerlich als gesellig zu und her. Waren es beim Garnelenfischen noch gemütliche 2 Pferdestärken, denen wir zugeschaut hatten, füllte sich der Potinière-Park in De Haan am Samstag anlässlich der „Porsche Classic Coast Tour“ mit deutlich mehr PS.


Am nächsten Tag folgte bereits ein weiterer Anlass mit dem wundervollen Namen „De oude Klepper Parade“. Und diese zog sogar ein Mehrfaches an Publikum an, als die Porsche Classics.

Die „Klepper“ waren tatsächlich uralt – und deren Reiter teilweise ebenfalls schon etwas in die Jahre gekommen…

Es wurde aber auch fleissig potentieller Nachwuchs mit Benzin geimpft.


Nach diesem ereignisreichen Wochenende musste sich das Städtchen De Haan erst einmal etwas ausruhen, und wir nutzten erneut die Kusttram, um neue Abenteuer zu erleben.

An windigen Tagen herrscht hier der gesamten Küste entlang Flugwetter.

Es gibt aber nicht nur Kinder, die ihre kleinen Drachen steigen lassen und Erwachsene mit Lenkdrachen, sondern auch riesige Show-Drachen, die an Seilen befestigt in der Luft stehen, und je nach Form auch flattern oder tanzen.


Natürlich hat es bei diesem starken Wind auch jede Menge Kite-Surfer, die hinter ihren Drachen über die Wellen flitzen.

Mich aber zog es nicht aufs Wasser, um im Windrausch zu gleiten, sondern an den Strand. Schon immer hat mich das Strandsegeln fasziniert, und die Wiege dieses rasanten Sports liegt in De Panne, der westlichsten Station, die man mit der Kusttram erreichen kann. Schon um das Jahr 1600 herum, erfand hier der Mathematiker und Physiker Simon Stevin (auch der „flämische Leonardo da Vinci“ genannt…) einen Segelwagen, auf dem zwei Dutzend Menschen Platz hatten, und der eine Strecke von 70 Kilometern in rund 2 Stunden zurück legen konnte, was damals eine einmalige Leistung war. Danach lag dieses Wissen rund drei Jahrhunderte lang brach, bis es – erneut in De Panne – von drei Brüdern wieder zum Leben erweckt wurden. Sie spannten zunächst eine Seifenkiste hinter einen fliegenden Papierdrachen und pröbelten dann so lange an Verbesserungen herum, bis sie schliesslich die Urform der heutigen Segelwagen geschaffen hatten: Ein leichtes, schlankes Gefährt auf 3 Gummirädern, das durch ein Segel angetrieben und mit einem Fusspedal gesteuert wird. Von De Panne aus breitete sich das Strandsegeln schliesslich nach Frankreich, Grossbritannien, Deutschland und Skandinavien aus. Aber noch immer ist De Panne, mit dem breitesten Strand Belgiens, und mit seinem 100-jährigen Royal Sand Yacht Club, eine Hochburg des „zeilwagenrijdens“, wie das Strandsegeln auf flämisch heisst. Neben internationalen Regatten werden hier regelmässig auch Anfängerkurse durchgeführt, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen wollte.
Mit wasserdichten Kleidern, Handschuhen und einem Helm ausgerüstet, fassten wir unsere Segel und wurden schliesslich von einem Traktor im Konvoi zur Rennpiste gezogen.

Nach einigen Instruktionen wurde unsere Horde Greenhorns dann bereits auf einen Parcour gelassen, der mit gelben Markierungskegeln abgesteckt war. Grundsätzlich gibt es beim Strandsegeln dieselben beiden Wendemanöver wie im Segelsport: Die Wende und die Halse. Die Halse ist einfacher zu fahren, aber durch die hohe Geschwindigkeit, mit der man in die Kurve einbiegt, ist es auch etwas riskanter, dass sich der Wagen überschlägt. Bei der Wende dreht man gegen den Wind und muss eher aufpassen, dass man das vollständige Manöver rasch genug durchzieht, um nicht in einer windlosen Position blockiert stehen zu bleiben.


Durch dichtholen oder lockerlassen des Segels steuert man die Geschwindigkeit und mit Fusspedalen das Vorderrad für Richtungsänderungen. Eine Bremse gibt es überraschenderweise nicht; um anzuhalten muss man das Gefährt gegen den Wind steuern und das Segel locker freigeben.
Zu Beginn ist das Manövrieren etwas knifflig, und unsere Anfängerhorde raste wild in alle Richtungen durcheinander und teilweise auch ineinander. Mit der Zeit hat man den Dreh aber raus, und dann wird das Ganze von einem Autoscooter- eher zu einem Go-Kart-Gefühl.
Der Trainer setzte die Markierungkegel immer weiter auseinander, um die Parcourrunde auf dem Ebbe-Sand zu vergrössern, und irgendwann beinhaltete die Strecke dann auch mehrere grosse Salzwasserpfützen von ca. 25 cm Tiefe, die man mit grossen Speed durchrasen musste, um darin nicht zu stark abgebremst zu werden. Dies bedeutete natürlich, dass man mit jeder Runde immer durchnässter wurde. Das Gespritze in den Wasserlachen hatte aber auch den Vorteil, dass dadurch jeweils die Sandkruste weggespült wurde, sie sich auf der Sonnenbrille gebildet hatte, sodass man wenigstens zwischendurch kurz etwas sehen konnte, bevor die Brillengläser wieder mit nassem Sand zugebacken wurden. Überglücklich, pflotschnass und todmüde lenkte ich den Segelwagen zum Schluss ins Zielgelände und beendete dieses tolle Abenteuer.
Noch mehr Action bot eigentlich nur noch eine Rettungsübung, die wir auf dem Heimweg entlang des Strandes beobachten konnten. Wir hatten schon eine Weile mehrere rote Schnellboote der Lifeguards mit hohem Tempo den Strand hoch und runter zu flitzen gesehen, und wussten nicht so recht, ob allenfalls eine vermisste Person gesucht wurde. Plötzlich dröhnte ein tieffliegender Helikopter heran, was unser mulmiges Gefühl noch verstärkte, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte. Bald aber wurde klar, dass es sich um eine Rettungsübung handelte, bei der mehrere Personen aus dem Hubschrauber in die verschiedenen Rettungsboote abgeseilt und später wieder eingesammelt wurden. Das alles während voller Fahrt natürlich, was von allen Beteiligten viel Fingerspitzengefühl erforderte und wirklich sehr beeindruckend zu beobachten war.

Wenn starker Wind die Nordsee aufwühlt und den puderfeinen Sand aufgewirbelt, changiert die Farbe des Wassers, je nach Wetter, zwischen bräunlichem Cappuccino und grünlichem Matcha Latte. Besonders einladend zum Baden ist es dann nicht wirklich. Wenn an sonnigen Tagen jedoch die Grün- und Blautöne klarer schimmern, ist das Baden in der wilden Brandung ein tolles Erlebnis, und mit über 21 Grad Wassertemperatur auch gut auszuhalten.


Ab und zu gönnten wir uns aber natürlich auch eine Verschnaufpause, sei es bei einem Dünenspaziergang oder einfach auch mal auf dem Liegestuhl am Strand.



Diese Woche an der Küste brachte uns tatsächlich die Erholung, die wir so dringend nötig hatten. Unsere Köpfe wurden gründlich durchgepustet, und die Weite und Lebendigkeit des Meeres waren wohltuend.

Für uns war der Mix aus stundenlangen Strandspaziergängen, zwei Badetagen sowie kleinen Ausflüge und Aktivitäten genau passend. Partylöwen werden hier aber genau so wenig auf ihre Rechnung kommen, wie Gourmets. Denn das kulinarische Angebot entlang der gesamten Küste war – gelinde gesagt – äusserst ernüchternd, wobei das Mayonnaise-Risiko, vor dem mich mein Kollege Lukas gewarnt hatte, eher noch zu den harmloseren Problemen gehörte. Vielleicht zeigt das folgende Foto mit dem Frituur-Restaurant „Bombay“, wo es türkische Pitta gibt, die dann auch noch bueno sein soll, ganz gut, worauf ich mit meiner kritischen Aussage hinaus will.

Natürlich gibt es auch traditionell belgische Restaurants, aber auch dort ist das Angebot eher bescheiden und eher frittiert. Und als Vegetarier muss man sich darauf einstellen, dass sich die Auswahlmöglichkeit eigentlich auf die immer gleichen zwei Gerichte – Tomaten-Mozzarella-Salat und Kaas-Kroketten mit Fritten – beschränkt. Glücklicherweise hatten wir eine Ferienwohnung, und mit meiner Schwester Jalscha war eine exzellente und begeisterte Köchin dabei, denn ohne dies wäre das Essen wirklich ein störender Minuspunkt beim Feriengenuss gewesen. Der Fairness halber möchte ich aber erwähnen, dass wir bezüglich vegetarischer Menu-Optionen kürzlich in Ligurien eine ähnlich enttäuschende Erfahrung gemacht haben, wo in praktisch jedem Restaurant die Alternative zum Tomaten-Mozzarella-Salat einfach Tagliatelle al Pesto war…
Ebenfalls verzichten muss man auf den Anblick von pittoresker Seebäderachitektur anstelle von endlosen Hochhausreihen, was uns aber bereits vorher klar war, weshalb wir ja extra De Haan aan Zee als Feriendestination ausgewählt hatten, wo dank der „Concessie“ das Ortsbild der Belle-Époque erhalten geblieben ist. Dies hat sich im Nachhinein als sehr gute Wahl herausgestellt.
Der eigentliche Auslöser für diese Reise, die Kusttram, ist eine wirklich coole Sache, und wir haben schliesslich sogar darauf verzichtet, Velos zu mieten, weil wir alles entweder zu Fuss oder per Tram unternommen haben.
Morgen geht’s zum Abschluss noch für 3 Nächte nach Brügge, um nochmals in die städtische Kultur Flanders einzutauchen. Wir haben uns auch bereits mit den kulinarischen Angeboten dort befasst, und die Vorfreude ist gross, da unsere Food-Recherche äusserst Erfreuliches zutage gebracht hat… Dem Meer sagen wir also nun tschüss, dem Blog natürlich noch nicht.
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Danke für’s Festhalten unserer Reise in Bild, Text und Ton ;-)!
Danke und so schöne Eindrücke 🥕 🥕🥕