Hamburg – eine Stadt und ihre Farben

Hamburg 🇩🇪

Bei unser Ankuft in Hamburg fühlte ich mich – wie eigentlich immer nach Inselferien – völlig überfordert von all den Reizen in der Stadt. Autolärm statt Basstölpelgekreisch, und eine riesige Auswahl an Möglichkeiten, statt der einen Frage, die unsere Helgoländer Tage geprägt hatte: Gehen wir unsere Klippenwegrunde heute links herum oder rechts?

Doch Hamburg hat vor einigen Jahren mein Herz erobert, und so freute ich mich dennoch, auch hier noch einige Tage zu verbringen. Um der Urbanität nicht allzu sehr ausgesetzt zu sein, suchten wir einfach das Grün von Gärten und das Blau von Wasser, was in Hamburg beides sehr einfach zu haben ist.

Grün fand sich unter anderem auf dem Dachgarten des Bunkers von St. Pauli.

Als wir bei einem früheren Hamburgbesuch vom Karoviertel nach St. Pauli schlenderten, stand er plötzlich da: Ein knapp 50 Meter hoher grauer Betonkoloss – mitten im Herzen des Kiez, direkt neben dem Millerntor Stadion des FC St. Pauli. Und so sah er damals aus:

Archivbild Wikipedia

Adolf Hitler liess diesen sogenannten Flakturm 1942, als einen der grössten jemals gebauten Hochbunker, von über 2500 Zwangsarbeitern errichten. Er sollte die Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg schützen und diente gleichzeitig als Propaganda für die Wehrhaftigkeit des Nazi-Regimes. Nach Kriegsende sollte der Bunker, wie viele andere im Hamburg, gesprengt werden, blieb aber schliesslich verschont, da zur Zerstörung des 75 x 75 Meter grossen Monsters mit seinen knapp 4 Meter dicken Wänden, so viel Sprengstoff nötig gewesen wäre, dass die Erschütterung die halbe Hamburger Innenstadt plattgemacht hätte. Mit der Zeit zogen hier dann Unternehmen aus den Bereichen Kunst, Kultur und Medien ein, und sogar die allererste Tagesschau wurde aus dem Bunker gesendet. Im Jahr 2017 wurde eine Aufstockung des inzwischen denkmalgeschützten Bauwerks um fünf Stockwerke genehmigt. Mit Gesamtkosten von rund 60 Millionen Euro sowie mehreren bau- und witterungsbedingten Verzögerungen, wurde im Juli 2024 schliesslich Eröffnung gefeiert. Der mehrstöckige Aufbau beherbergt ein Hotel der „Hard Rock“-Kette und Gastronomiebetriebe. Spektakulärer Höhepunkt ist jedoch der öffentlich zugängliche Dachgarten, und auch der Weg hinauf, über den grünbewachsenen „Bergpfad“, ist ein Erlebnis.

Ich habe den Bau und vor allem die Begrünung in luftiger Höhe während der letzten Jahre in mehreren Filmdokumentationen verfolgt und wollte den „Grünen Bunker“ nun natürlich auch live vor Ort sehen und begehen; ein lohnenswerter kleiner Ausflug.

Am Samstag wurde es nochmals sommerlich heiss, und wir machten Blau. Wasser ist hier in Hamburg eigentlich auf Schritt und Tritt zu finden. An die Alster haben wir es dieses Mal gar nicht geschafft, sondern uns die ganze Zeit „elbnah“, zwischen der Elbphilharmonie, den Landungsbrücken und den Quartieren Altona und Ottensen aufgehalten. Die Elbe mit ihrem maritimen Hafen als Tor zur Welt, und die eleganten, vornehmen Viertel an der Alster prägen auch ihre jeweiligen Anwohner, und man gehört mit einem gewissen Stolz entweder zu den „Elbleuten“ oder den „Alsterleuten“.

Für eine andere Perspektive auf die Stadt, haben wir die Elbe ganz einfach durch alten Elbtunnel unterquert, der von Fussgängern und Velofahren genutzt werden kann. Hier ist es unabhängig der Aussentemperatur immer rund 15 Grad kühl. Vor allem aber faszinieren sowohl die Architektur des Tunnels in gekacheltem Weiss, als auch die historischen Zugänge mit ihren Wendeltreppen und Fahrstühlen.

Mehr Wasser-Blau – und vor allem auch elegantes Villen-Weiss – gab es bei unserem Ausflug nach Blankenese. Dieser westliche Elbvorort von Hamburg zählt zu den reichsten Stadtteilen und verbindet das höher gelegene Ortszentrum, über das berühmte „Treppenviertel“, mit dem Elbstrand. Ausserhalb der Innenstadt gilt also das Klischee von Elb-  und Alsterleuten offenbar nicht mehr, denn an diesem Teil der Elbe riecht es förmlich nach Geld. Mich hat Blankenese jedenfalls ein wenig an eine Mischung zwischen dem piekfeinen La Jolla in Kalifornien und Long Island in New York erinnert.

Ziegelrot ist eine weitere charakteristische Farbe von Hamburg, denn Backstein- und Klinkerbauten sind hier allgegenwärtig. Die Elbphilharmonie, die auf dem Sockel eines früheren Kai-Speichers erbaut wurde, ist natürlich das bekannteste Beispiel und fügt sich optisch mühelos in die neugotische Backsteinarchitektur der Speichersstadt ein.

Auch sonst gibt es einige berühmte Backstein- und Klinkerbauten in Hamburg, doch ich habe einfach diejenigen festgehalten, die mir beim Schlendern gerade vor die Kamera gekommen sind.

Und ja, Kunterbunt kann Hamburg übrigens auch. Zum Beispiel mit Graffitis:

Oder mit einem buntschillernden Riff aus rund 40000 gehäkelten Korallen, das im Rahmen einer Sonderausstellung  im maritimen Museum gezeigt wird. Über 4000 Menschen haben an diesem riesigen Ausstellungsstück mitgearbeitet:

Und last but not least bei den Wasserspielen mit Konzertmusik im botanischen Garten „Planten und Bloemen“, das in den Sommermonaten hier jeden Abend kostenlos gezeigt wird. Dies war ein sehr faszinierendes Erlebnis, das aber wohl verdient sein wollte. Um noch einen Platz auf den Wiesen rund um den Teich zu finden, lohnt es sich, sich schon einige Stunden vor dem Start (jeweils bei Einbruch der Dämmerung um ca. 22 Uhr) einzufinden. Einerseits ist es gemütlich, dort noch zu picknicken, spielen oder lesen bevor es los geht, aber schliesslich liegt dann tatsächlich Decke an Decke mit Tausenden von Leuten, was für mein Empfinden ein eher zweifelhaftes Vergnügen ist. 

Über mehrere Tagen haben wir also unsere ganz eigene Hamburger Farbpalette zusammen gemischt, um hier völlig entspannte Tage zu verbringen. Nun sitzen wir im Zug und fahren bereichert und zufrieden heim.

Als Abschlussfoto dieses Blogs möchte ich jedoch noch einmal etwas zurückblättern und einen Helgoland-Moment teilen, der auch ohne weiteren Worte zeigt, wie toll unsere Ferien waren.

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2 thoughts on “Hamburg – eine Stadt und ihre Farben

  1. Meine absoluten Lieblinge sind das gehäkelte Korallenriff und die beiden glücklichen Gesichter im letzten Foto. Danke dass ich auf der Fahrt in den Norden dabei sein durfte

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