Auf der Düne

Helgoland Düne 🇩🇪

Die Neujahrsflut von 1721 riss Helgoland in einen felsigen und einen sandigen Teil entzwei, sodass heute ca. 1 km neben der Hauptinsel die etwas kleinere Insel Düne liegt, die aus feinstem weissem Sand besteht. Die ruhigen Gewässer des Südstrands laden hier zum Baden und – allerdings eher langweiligen – Schnorcheln ein. Hier hatten wir uns heute einen Strandkorb gemietet und haben festgestellt: „Dichtestress“, wie teilweise an anderen Nord- und Ostseestränden herrscht hier auch in der Hochsaison nicht.

Die Wassertemperatur war mit rund 21 Grad praktisch genau gleich hoch, wie im Bodensee, sodass ich mich ausser hinsichtlich des Salzgehaltes kaum von meinem „Heimatrevier“ umstellen musste. Doch auch wenn Wasser wirklich total mein Element ist, und ich es auch hier sehr genossen habe, zu schwimmen, sind wir eigentlich vor allem aus einem anderen Grund auf die Düne hinüber geschippert: Den Nordstrand am anderen Ende der Insel teilen sich die Badegäste nämlich mit Seehunden und Kegelrobben, die man hier aus kleinerer Entfernung als sonstwo beobachten kann: Nur 30 Meter Mindestabstand geben die Ranger vor, da ihre Erfahrung offenbar zeigt, dass dies ausreicht, um die Tiere nicht zu stressen, wenn man sich konsequent und respektvoll daran hält. Dennoch hatte ich auch hier mein Teleobjektiv eingepackt, um zumindest optisch noch ein wenig näher aufrücken zu können. So haben wir uns also im Gegenuhrzeigersinn, immer entlang des Wassers, zu Fuss auf den Weg in den Norden gemacht.

Zunächst passiert man dabei den Oststrand, der im Gegensatz zum puderfeinen Sand der beiden Badestrände sehr steinig ist. Wie oft an der Nordsee und Ostsee, gibt es hier auch jede Menge glattgeschliffener schwarz-weisser Feuersteine. Mit etwas Glück findet man hier jedoch auch den roten Feuerstein, der nur auf Helgoland und der Düne vorkommt. In den Stein- und  Juweliergeschäften der Insel haben wir ihn schon gesehen; er ist wunderschön und faszinierend. In einem der Geschäfte gibt es sogar eine Feuerstein-Sprechstunde, wo man Fundstücke überprüfen lassen kann. Doch falls ich tatsächlich noch ein Stück roten Feuerstein mit nach Hause nehmen möchte, werde ich eines kaufen müssen, denn gefunden haben wir davon leider nichts. Dennoch haben wir reiche Beute an schönen Steinen gemacht, und Christine hat sich als wahre Spezialistin für die sogenannten Hühnergötter heraus gestellt, und praktisch Schritt auf Tritt einen dieser speziellen Lochsteine aus dem Sand gezogen. Ein Hühnergott ist ein Stein mit einem natürlich entstandenen Loch. Diese finden sich an Stränden und Küstenregionen der Ostsee und der Nordsee. Sie werden als Glücksbringer angesehen und mit Schutz vor bösen Geistern oder zur Förderung der Fruchtbarkeit bei Hühnern in Verbindung gebracht.

Der Steinstrand geht dann wieder in eine Sandbucht über, doch davor muss man noch die Landeschneise des Flughafens queren. Und das soll man tunlichst vorsichtig tun, wie entsprechende Hinweisschilder warnen:

Auch sonst ist der Flughafen Helgoland wohl einer der aussergewöhnlichsten Airports in Deutschland: Die Landebahn ist nur 480 Meter lang und muss regelmässig vom Sand befreit und auf dösende Robben kontrolliert werden.

Apropos Robben – deswegen hatten wir uns ja überhaupt auf den Weg in den Norden gemacht. Doch am Nordstrand angekommen, herrschte gähnende Leere am Ende der Bucht, wo sie normalerweise herumlungern. Christine erblickte dann zumindest noch eine einzelne Kegelrobbe im Wasser, die ich mit meiner Kamera gerade noch knapp erwischte.

Leider kein roter Feuerstein, leider keine Seehundekolonie; unser Ausflug auf die Düne schien nicht von besonderem Finderglück gesegnet zu sein – so dachten wir zumindest zu diesem Zeitpunkt. Denn als wir am Schluss unserer Inselumrundung wieder an den Südstrand einbogen, lagen sie plötzlich da; ganz entspannt und ganz in der Nähe unseres Strandkorbes:

Robbenbeglückt und sonnengeküsst setzten wir am Nachmittag wieder auf die Hauptinsel über und liessen einen weiteren  Helgoland-Tag zufrieden ausklingen.

 

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3 thoughts on “Auf der Düne

  1. Alte Tierbeobachterweisheit – die Viecher sind immer da, wo niemand sie erwartet😉
    Aber sag mal: ist das oben rechts ein versteinerter Haifischzahn oder bloss zum Verwechseln ähnlich?

  2. Wunderschöne Fotos der Kegelrobben – einfach ein Glück, das hoffentlich ewig währt , die Tier noch so zu erleben. Danke Dir, Flurina und Deiner Reisebgleiterin.

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