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Hiroshima 🇯🇵
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Obschon wir aktuell bereits zum 8. mal in Japan sind, und vom höchsten Norden Hokkaidos bis zu den Yaeyama-Inseln 2500 Kilomenter weiter südlich, wirklich viele Orte und Regionen dieses Landes bereist haben, waren wir bisher noch nie in Hiroshima. Zwar verbrachten wir bereits vor gut zehn Jahren einmal zwei Tage auf der nahe gelegenen Insel Miyajima, bei der das berühmte orangefarbene Torii vorgelagert im Meer steht, doch in der Stadt Hiroshima selbst, waren wir damals nicht. Diesem bedeutenden Schauplatz eines der traumatisierendsten Ereignisse in der japanischen Geschichte wollten wir nun aber nicht mehr länger aus dem Weg gehen.
Der Tod kam am 6. August 1945, morgens um viertel nach 8 Uhr. US-amerikanische Streitkräfte warfen die Atombombe „Little Boy“ über der japanischen Stadt Hiroshima ab, um das Land zur Kapitulation im Zweiten Weltkrieg zu zwingen. Nach der Detonation, die in ca. 600 Meter über dem Boden erfolgte, starben bis zu 80‘000 Menschen augenblicklich, und vermutlich ca. 140‘000 insgesamt. 80 Prozent der Gebäude der Innenstadt waren nach dem Abwurf zerstört, da sich durch die Bombe ausser der massiven Druckwelle auch ein Feuerball entwickelte, der in einem Umkreis von mehr als 3 Kilometern bei Menschen zu Verbrennungen führte, die teilweise direkt tödlich waren. Hinzu kamen die gesundheitlichen Schäden durch die radioaktive Strahlung, die als Spätfolge noch über Jahrzehnte und auch über Generationen hinweg bis in die Gegenwart hinein zu Todesfällen führt.
Am Ort des sogenannten Hypozentrums steht heute der Friedenspark mit dem Hiroshima Peace Memorial Museum und weiteren Gedenkstätten. So zum Beispiel eine Flamme, die seit der Erstellung dieses Denkmals am 1. August 1964 ununterbrochen brennt und dies so lange tun wird, bis es keine Atomwaffen mehr auf der Welt gibt. Am bekanntesten und auch am eindrücklichsten ist die „Atombombenkuppel“. Diese frühere Halle zur Förderung der Industrie der Präfektur Hiroshima steht nur gerade 140 Meter vom Einschlagort der Bombe entfernt. Sie brannte völlig aus, und alle Menschen, die sich zu diesem Zeitpunkt darin befanden, kamen ums Leben. Erstaunlicherweise blieben trotz allem viele Gebäudestrukturen erhalten, so u.a. auch die charakteristische Stützkonstruktion des Kuppeldaches. Die Überreste werden seit dem Abwurf in ihrem damaligen Zustand konserviert.

Das Peace Memorial Museum ist sehr gut besucht, und es bildet sich täglich eine dauerhafte lange Warteschlange. Wir haben drei Anläufe genommen, bis die Wartezeit am Sonntag Morgen früh, direkt zum Öffnungszeitpunkt dann einmal erträglich war. Da unser Hotel gleich neben dem Friedenspark lag, war es für uns eine Kleinigkeit, zwischendurch kurz rüber zu gehen, um nachzuschauen, viele Personen gerade am Anstehen sind.

Einen grossen Teil der Besuchermassen machen japanische Schüler*innen jeglichen Alter aus. Wir sahen jeden Tag Dutzende von Schulkassen, und ich könnte mir vorstellen, dass es zum Pflichtprogramm des Schulsystems gehört, dass jedes japanische Kind diesen Gedenk- und Mahnort einmal besucht hat.

Das Museum ist sehr eindrücklich gestaltet. In düster gehaltenen Räumen werden viele Informationen vermittelt aber auch ganz persönliche Schicksale aufgezeigt und unzählige Artefakte ausgestellt, welche Angehörige von damals Verstorbenen zur Verfügung gestellt haben. Es wird einem tief bewusst, welch grausame Tat die beiden Abwürfe der Atombomen über Japan darstellt, und dass so etwas nie wieder vorkommen darf.

Gut verständliche Informationen zu den Geschehnissen rund um den Atombombenabwurf von Hiroshima auf Deutsch, bietet die Schrift „Die alte Dame aus Hiroshima“, welche für die Friedenserziehung in Schulen verfasst wurde.
Über diese eindrücklichen geschichtlichen Aspekte hinaus, die einen Besuch von Hiroshima wirklich sehr lohnenswert machen, bin ich mit dieser Stadt aber irgendwie nicht wirklich warm geworden. Unser Hotel hatte zwar eine sehr gute Lage und bot allen Komfort, inklusive einer tollen Dachterrasse. Das Personal war aber unfreundlich, das Frühstück grauenhaft, und wir vermissten die sehr sympathische Atmosphäre unseres coolen Hotels in Kobe. Der öffentliche Verkehr Hiroshimas besteht neben Bussen vor allem aus den „Street Cars“ der Gesellschaft Hiroden, die mit einer völlig veralteten Flotte das grösste Strassenbahnnetz Japans abdeckt. Im Wikipedia-Artikel über Hiroden steht denn auch mit einem Augenzwinkern, dass die Typenvielfalt und das Alter der Fahrzeuge zum Ruf eines rollenden Strassenbahnmuseums geführt haben. Das folgende Foto zeigt die Tramzentrale am Hauptbahnhof dieser – wohlgemerkt – Millionenstadt, die aus drei Geleisenden besteht, wo ankommende und abfahrende Wagen per handgeschalteten Weichen hin und her geleitet werden.

Neben dem Weichensteller braucht es eine weitere Person, welche die ein- uns aussteigenden Personen bezüglich der grotesk hohen Tritte in den engen Einstiegen warnt, die bestimmt zu einer Vielzahl von Unfällen führen. Barrierefreiheit sieht jedenfalls anders aus… Dass die Tramstationen jeweils in der Mitte der vielspurigen Strassen liegen, tut das seine zur Gefährlichkeit des Ganzen hinzu.

Die Trams sind langsam und rumpelnd, und für die längste Strecke – die allerdings auch ausserhalb der Stadt in Miyajimaguchi liegt – benötigt man mehr als eine Stunde. Solche Rumpeltrams, die ich auf einer früheren Japanreise in Nagasaki sehr charmant gefunden habe, waren hier in Hiroshima eher nervig und zeigten ihr romantisches Gesicht höchstens im milden Licht des Sonnenaufganges.

Sehr schön fanden wir hingegen den Shukkeien-Garten, der auf den ersten Blick zwar eher klein wirkt, aber beim Durchwandern seiner verschlungenen Pfade immer wieder neue Perspektiven bietet.






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Schade, dass Hiroshima nicht den Wünschen / Erwartungen entsprochen hat. Mich erstaunt vor allem das schlechte Hotelpersonal, -frühstück und der ÖV – etwas was sonst ja in Japan (fast) immer toll ist…
Immerhin hat der Garten ein Trostpflästerli auf die wunden Reiseseelen legen können.
Sehr schöner Garten und schon noch speziell, die grossen Unterschiede der ÖV Infrastruktur. Sehr spannend zu lesen und historisch schon noch besonders… erinnert mich an die Normandie… die Energie vom Krieg ist heute noch spürbar.
Danke für diesen Bericht aus Hiroshima, liebe Flurina. Ich habe ein Buch gelesen von diesem grauenhaften Moment. Seither lassen mich die Bilder nicht mehr los. Da zu sein muss sehr erschüttern. Geniesst den Rest eurer Reise an einem anderen Ort, mit nettem Personal, gutem Essen und weniger belastenden Geschichten.