Zwischen Meer und Berg

Kōbe 🇯🇵

Kōbe liegt geografisch sehr attraktiv zwischen der Bucht von Ōsaka und dem Rokko-Gebirge. Die prominentesten Quartiere sind das Ausgehviertel Sannomiya, Motomachi mit einer laaaaaaaangen gedeckten Shopping Arkade, das Chinatown (Nankin Machi), Kitanochō mit mehreren westlichen Herrenhäusern aus dem 19. Jahrhundert, und das Hafenquartier. Zwei Zuglinien und eine Metro verbinden alles miteinander, was fast ein wenig unübersichtlich viele Möglichkeiten sind, da die für Touristen spannenden Orte auch gut fussläufig erkundet werden können. Der Sonntag war unser Meertag und der Montag unser Bergtag.

Auf dem Weg zum Hafen besuchten wir am Sonntag noch den Minatogawa-Schrein, wo wir zufälligerweise eine shintoistische Hochzeitszeremonie miterleben konnten.

Am Hafen selbst herrschte eine lockere Stimmung, und ganz Kōbe schien hier am Wochenende unterwegs zu sein. Es gab einen Flohmarkt, ein Modellautorennen, und den ganzen Nachmittag lang eine Konzertreihe mit Beatles-Coverbands. Das erste Set haben wir uns angehört, und es war schlicht grossartig!

Am nächsten Tag entschieden wir uns zwischen mehreren Ausflugsmöglichkeiten im Rokko-Gebirge für die Nanobiki-Seilbahn und genossen den wunderbaren Ausblick über Kōbe und die Bucht.

Beim Abstieg durchwandert man zwischen der Berg- und der Mittelstation den Nunobiki Herb Garden; einen der grössten Blumen- und Kräutergärten Japans.

Wie schon im früheren Beitrag über Kōbe erwähnt, gibt es hier ein grosses Flair für alles Westliche, und vor allem auch für alles Deutsche. In der Stadt gibt es z.B. das Hotel „Königskrone“, die Bäckerei „Köln“ sowie eine Konditorei, die sich rühmt, dem Deutschen Konditorenbund anzugehören. Im Nunobiki Herbgarten ist die Gastronomie ebenfalls Deutsch – oder zumindest so etwas ähnliches, denn die angebotene „Risottosuppe mit Fleischkroketten“ ist mir in Deutschland jedenfalls noch nie begegnet ;-)

Auch von ganz oben ist der Ausblick beeindruckend – an klaren Tagen sieht man bis nach Ōsaka, am anderen Ende der Bucht. Und dass man beim Aussicht bestaunen auch noch seine Füsse in einem heissen Fussbad mit Kräutersäcklein relaxen kann, macht das Erlebnis wohl einzigartig.

In Japan werden Sehenswürdigkeiten oft in einer Attraktivitäts-Rangliste geratet, und die nächtliche Sicht auf Kōbes Lichtermeer vom Rokko-Gebirge aus, gilt als eine der drei schönsten Nachtblicke des Landes. Es ist insgesamt so, dass Kōbe sowohl am Tag als auch in der Nacht attraktive Fotosujets bietet.

Für unsere letzte Nacht in Kōbe wechselten wir noch in ein traditionelles Hotel (Ryokan) in Arima Onsen. Allerdings mussten wir feststellen, dass dies zwar als Bäderquartier von Kōbe angepriesen wird, aber eine halbstündige Zugfahrt entfernt auf der anderen Seite des Rokko-Gebirges liegt. Es wäre also etwa so, wie wenn in der Schweiz Baden als Bäderquartier von Zürich vermarktet würde ;-) Es tat aber auf jeden Fall auch gut, aus der Stadt rauszukommen und in die Ruhe und Erholung des ländlichen Badeortes einzutauchen. Das Spezielle hier in Arima Onsen ist, dass es zwei sehr unterschiedliche Heilquellen hat:

Das Wasser aus der „Goldquelle“ (金泉) ist von rötlich-brauner Farbe, undurchsichtig und äusserst salz- und eisenhaltig. Es enthält 7 therapeutische Wirkstoffe und hilft bei Verspannungen, Müdigkeit und Bluthochdruck. Es ist sehr weich und macht die Haut ganz geschmeidig.

Das Wasser aus der „Silberquelle“ (銀泉) fühlt sich seidig an und hat tatsächlich einen leicht silbernen Schimmer. Das Einatmen seiner Dämpfe aktiviert Selbstheilungskräfte und hilft gegen Asthma. Ebenso ist es gut gegen Rheuma und Arthritis.

Ausser ums Baden geht es in einem Ryokan immer auch ums Essen. Und auch hier hatten wir wieder ein exzellentes Kaiseki-Menu. Für Renato dieses Mal ergänzt mit einem Shabu-Shabu (Fleischfondue) aus dünn geschnittenem Kobe-Beef, für mich auf Wunsch fleischlos.

Nun verlassen wir die Region Kōbe und machen uns auf den Weg weiter westwärts nach Hiroshima. Kōbe hat uns sehr gut gefallen; es ist keine typische Touristendestination und hat dennoch Abwechslungsreiches zu bieten. Es hat einen sehr entspannten Touch, und die Stimmung ist locker. Als mittelgrosse Stadt ist es übersichtlich und – wenn man teilweise steile Anstiege nicht scheut – gut zu Fuss zu entdecken. Es hat uns sehr gut getan, ein paar Tage am selben Ort zu bleiben, mit der Umgebung etwas vertraut zu werden und die Seele baumeln zu lassen.

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2 thoughts on “Zwischen Meer und Berg

  1. Ich geniesse grad mit Euch das wunderbar vielseitige Kobe – die typisch deutsche Risottosuppe vielleicht ausgenommen…

  2. So ein vielseitiger Reisebericht, danke für die Fotos und die schönen Infos. Freue mich sehr von euch zu lesen! Gute Weiterreise 🍀

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