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Aizuwakamatsu 🇯🇵
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Da „Aizuwakamatsu“ für Nicht-Japaner ein etwas komplizierter Ortsname ist, wird das Städtchen touristisch unter der Bezeichnung „Samurai City“ vermarktet. Die hier ansässigen Aizu-Krieger gaben sich 1868 mit der Niederlage im Boshin-Krieg, die das Ende der japanischen Feudalgesellschaft bedeutete, nicht geschlagen und leisteten als letzter Samurai-Clan noch monatelang weiter energischen Widerstand gegen die Regierungstruppen. Die „Kranichburg“ (Tsuraga-jō) von Aizuwakamatsu war das politische und militärische Zentrum des Aizu-Clans.




Im Film „The last Samurai“ verkörpert Tom Cruise einen Amerikaner, der als militärischer Berater der japanischen Armee von Samurai gefangen genommen wird und sich in der Folge immer mehr in deren Gesellschaft einlebt. Ganz ähnlich dieser Geschichte, hat es in Aizu mit dem Holländer Henry Schnell tatsächlich einen westlichen Samurai gegeben. Eigentlich als Händler und als Dolmetscher für das preussische Konsulat in Japan ansässig, verhalf er dem Shogun über ein deutsches Handelshaus zu einer grossen Menge europäischer Waffen. Er erhielt darauf den japanischen Namen Hiramatsu Buhei, den Rang eines militärischen Clan-Beraters und das Recht zum Tragen eines Samuraischwertes, das er vom Aizu-Fürsten Matsudaira persönlich erhielt. Nach den Wirren des Boshin-Krieges und der endgültigen Kapitulation, beschloss Henry Schnell, die übrig gebliebenen Samurai von Aizu nach Kalifornien zu übersiedeln, wo er zu diesem Zweck Land kaufte. Diese Gruppe, die sich 1869 zusammen mit der Familie von Henry Schnell in der „Wakamatsu Colony“ nahe San Francisco niederliess, waren die ersten japanischen Immigranten Amerikas. Die Wakamatsu Colony konnte jedoch wirtschaftlich nicht aufblühen. 1871 brach Henry Schnell deshalb auf, um in Japan Geld aufzutreiben, kehrte allerdings nie zurück und blieb seither verschollen.

Eine noch faszinierendere Persönlichkeit dieser aufregenden Zeit war die weibliche Samurai Yae Yamamoto. Als Tochter eines Samurai aufgewachsen, war sie von Kindesbeinen an sowohl mit dem entsprechenden Ehrenkodex als auch mit Schwert- und Schusswaffen vertraut. In der letzten Schlacht um die Kranichburg von Aizuwakamatsu kämpfte sie an vorderster Front, Seite an Seite mit ihrem Bruder. Im Gegensatz zu vielen anderen Samurai überlebte Yae den Krieg und führte fortan ein fast noch wundersameres Leben. Zusammen mit ihrem Mann Jo Nijima gründete sie in Kyoto eine berühmte Universität und bildete sich auf höchstem Level in den Zen-Künsten der Teezeremonie und des Blumensteckens aus. Das Ehepaar Niijima führte eine für ihre Zeit ungewöhnlich gleichberechtigte Ehe, und beide vertraten feministische Ideen. Nach dem Tod ihres Mannes wurde Yae Nijima Krankenschwester und später sogar Chef-Krankenschwester des japanischen Roten Kreuzes.

Doch nicht nur Frauen kämpften in den Reihen der Samurai, auch Jugendliche und fast noch Kinder fielen als Kämpfer im Boshin-Krieg. Auf dem Hügel Iimoriyama befinden sich 19 Gräber der Byakkotai (Weisse-Tiger-Truppe). Diese jugendlichen Samurai hatten hier während des Boshin-Krieges aus Verzweiflung rituellen Selbstmord begangen, um sich der Tötung durch den Feind zu entziehen, als sie glaubten, die Kranichburg stehe in Flammen, was aber ein Irrtum war.

Etwas bizarr mutet an der Grabstätte eine Gedenksäule aus Pompeji mit einem Adler an, die Benito Mussolini gestiftet hat, und hier aber eher diskret als „Geschenk der Regierung von Rom“ angeschrieben ist – wobei ein Hinweis auf den faschistischen Hintergrund des Schenkers doch auch erwähnt wird.

All diese und noch weitere Sehenswürdigkeiten aus der Samuraivergangenheit Aizuwakamatsus kann man mit einem Rundfahrtenbus abklappern.

Uns hat es hier gut gefallen, obschon – oder vielleicht gerade weil – die Stadt abseits der üblichen Touristenrouten liegt und wir hier weit und breit die einzigen Nicht-Japaner waren.
Morgen reisen wir weiter und werden dann ein paar Tage im Küstenort Matsushima, nördlich von Sendai verbringen. Angekündigt für das Wochenende ist Taifun „Jongdari“. Seine Stärke und Route sind noch nicht genau berechenbar, aber vermutlich wird er eher in der Gegend von Tokyo, also etwas südlicher als hier in Tohoku, auf die Küste treffen…
Immer wieder super spannend mit Euch zu reisen – schöne Bilder und super Hintergrundinfos. Dass Felix auch das Schwerttragerecht und somit die volle Samurai-Ehre bekommen hat, freut mich ganz besonders!
Möge der Taifun weit von Euch vorbeiziehen
Sehr spannender Bericht und Felix top gestylt!