On the Road to Mandalay

Mandalay 🇲🇲


IMG_1231Zunächst muss ich mich jetzt noch bei Nyaungshwe für die Zuschreibung als Kläffdorf entschuldigen und den Punkteabzug wegen des nächtlichen Gebells zurück nehmen (siehe Blogeintrag von gestern…), denn in unserer zweiten Nacht dort blieb die Dorfmeute muckshündchenstill! Nicht dass dies automatisch auch bedeuten würde, dass wir ungestört durchgeschlafen hätten, denn mitten in der Nacht wurden wir von einem Telefonanruf von der Hotelreceptionistin geweckt, die uns unbedingt mitteilen wollte, bis wann wir am nächsten Tag auschecken können; irgendwie muss sie in der Lektion „Gäste informieren“ an der Hotelfachschule etwas gründlich falsch verstanden haben ;-)

Inzwischen sind wir aber von Nyaungshwe nach Mandalay weiter gereist. Wohl wegen ihres wohlklingenden Namens wurde diese Stadt viel bedichtet und besungen: Rudyard Kiplings Liebesgedicht „Road to Mandalay“ wurde von Frank Sinatra zu einem Musikstück vertont, und auch Robbie Williams hat einen Song mit demselben Titel heraus gebracht. Auch wir wollten eigentlich „per Road“ nach Mandalay reisen und uns dazu in Nyaungshwe einen Fahrer mieten. Da sich bei uns aber irgendwie dann doch keine Begeisterung für eine achtstündige Autofahrt einstellen wollte und der Preis für Flugticktes kaum höher ist, haben wir kurzerhand einen Flug gebucht; das geht in Nyaungshwe in jedem Dorflädeli und ist ungefähr so aufwändig wie eine Flasche Wasser zu kaufen. Auch das Fliegen selbst geht hier relativ locker vonstatten: im Gegensatz zu den sterilen internationalen Flughäfen Yangon und Mandalay sind die kleinen Inlandflughäfen oder -terminals jeweils irgendwo in einer Art Mehrzweckhalle zu finden, wo die verschiedenen Airlines als Check-in Schalter ein Stehpult und eine Waage aufstellen. Dort tauscht man sein handgeschriebenes Ticket aus dem Dorflädeli in einen handgeschriebenen Boarding Pass um und bekommt einen farbigen Sticker auf den Aermel geklebt, weil das Flugzeug, ähnlich wie ein Bus, auf seiner Route mehrfache Stops einlegt, wo immer einige Passagiere aus- und zusteigen und das Kabinenpersonal durch die farbigen Kleber wenigstens einigermassen die Übersicht behält. Danach durchschreitet man eine etwas provisorisch anmutende Sicherheitskontrolle und befindet sich am Gate, wo man in einem Tante Emma Laden noch Souvenirs oder Coca Cola kaufen kann. Wer rauchen will, geht durch eine ganz normale Türe raus aufs Flugfeld, wo man bei Bedarf auch sonst ein wenig herum lungern kann. Angeschrieben ist nichts bzw. zumindest nichts, das irgend einen informationswert hätte. Ist die reguläre Abflugzeit irgendwann dann verstrichen, fragt man einen Uniformierten nach der Verspätungsdauer und erhält die Standardantwort: Your flight coming very soon, don’t worry. Ist es dann so weit, dass der Flieger tatsächlich parat ist, sammelt der Uniformierte alle Passagiere mit den richtigen Kleberfarben ein, worauf man über das Rollfeld zum Flugzeug geht, es betritt und sich mangels Sitznummern einfach irgendwo hinsetzt, wo es Platz hat. Der Rest ist dann Fliegen, wie man es auch sonst so kennt…

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Doch ich schweife ab und war ja bei der Romantik, mit der Mandalay besungen und beschrieben wird. Es wundert einen nicht, dass keiner der zuvor genannten Künstler selbst je in Mandalay war, sonst würden die Lieder und Gedichte anders tönen, denn Mandalay ist nicht romantisch sondern schlichtweg ein Moloch. Es ist heiss, voller Staub und Smog, und die in Yangon verbotenen Motorräder geben hier dem eh schon grausamen Verkehr noch den Rest!

Allerdings hat Mandalay auch einige beeindruckende Sehenswürdigkeiten und mehrere geniale Plätze um den Sonnenuntergang zu bewundern. Wir haben die zwei spektakulärsten davon besucht: Einerseits den knapp 300 m hohen Mandalay Hill, von dessen Gipfelpagode aus man einen herrlichen Rundumblick hat und die Sonne sich beim Untergehen glutrot im Ayeyarwady-Fluss spiegelt.

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Andererseits das etwas ausserhalb von Mandalay gelegene Amarapura, wo die Sonne hinter der längsten Teakholz-Brücke der Welt ins Wasser sinkt und alles, was sich auf der Brücke abspielt, im Gegenlicht in einen Scherenschnitt verwandelt.

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Ebenfalls besucht haben wir die Kuthodaw Pagode, wo in über 700 kleinen weissen Stupahäuschen Steinplatten mit den Inschriften der Lehre des Theravada-Buddhismus eingemeisselt sind, was auch als das grösste Buch der Welt bezeichnet wird.

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Die Mahamuni-Pagode hingegen beherbergt die bedeutendste Buddha-Figur des Landes. Besucher – allerdings wiederum nur männliche – bekleben diese laufend mit neuem Blattgold, sodass die ursprüngliche Form der Figur kaum mehr zu erkennen ist. Das haben wir ähnlich schon bei den Buddhafiguren in den Tempeln am Inlesee gesehen.

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Myanmar wird nicht umsonst als das goldene Land bezeichnet. Alles was mit der buddhistischen Religion zu tun hat, ist hier goldprächtig, wie z.B. eben die zuvor beschriebenen Buddha-Figuren oder auch all die goldenen Pagodenkuppeln; auf der riesigen Kuppel der Shwedagon Pagode sollen 60 Tonnen Gold liegen. Das immer wieder vorkommende Wort Shwe bedeutet denn auch nichts anderes als Gold. Uns persönlich liegt der karge nüchterne Stil des japanischen (Zen)-Buddhismus allerdings näher, und es ist kritisch betrachtet auch etwas befremdlich zu sehen, wie Menschen, die vielleicht nicht einmal genug zu essen haben, in den Pagoden Blattgold kaufen, um Statuen eines religiösen Lehrers, der eigentlich nicht für materiellen Reichtum steht, dick und dicker zu vergolden… Da war es uns irgendwie sympathischer, wie man in einem buddhistischen Tempel in Japan als Spende nicht etwa Gold kaufen konnte, sondern gegen einen Obulus seinen Namen mit Tusche auf einen Dachziegel gepinselt hat, mit dem dann das lecke Dach des Klosters repariert wurde; pragmatische Alltagshilfe, die kombiniert mit der schönen Geste des Namenpinselns für uns eine sehr passende Verkörperung der buddhistischen Lehre dargestellt hat.

So waren wir zwei Tage mit Führer und Fahrer in und um Mandalay unterwegs und haben mit ihnen auch interessante Gespräche führen können.

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