Von Sternen und Zahlen

Yangon 🇲🇲

IMG_0401Nebst der alles überstrahlenden Shwedagon haben wir in Yangon noch zwei weitere Pagoden besucht: Die Maha Wizaya und die Sule Pagode. Die Sule Pagode steht ziemlich genau im Zentrum des Stadtzentrums, quasi inmitten eines riesigen Verkehrskreisels. Sie ist eine Art „Alltagspagode“, wo man als Yangoner immer mal zwischendurch hingeht.

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Die Maha Wizaya Pagode wurde erst 1980 erbaut und verbindet Tradition mit modernen Elementen. Im Innern befinden sich an den Wänden gemalte und aus Pappmaché gebaute Bäume, sodass man sich ein wenig vorkommt, wie in einer Waldlichtung. Die ebenfalls bemalte Decke zeigt den Buddha unter dem Bodhibaum und verschiedene Tiere. Abends leuchten an der Decke kleine Lichter in Form von Sternbildern.

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Astronomie und vor allem eine – einmal mehr sehr eigene – burmesische Form numerologischer Astrologie sind im Alltag der Menschen sehr wichtig; z.B. eben auch der Wochentag an dem jemand geboren wurde. So beginnt auch der Vorname jeder Person mit einem Buchstaben, der dem Wochentag ihres Geburtstages zugeordnet ist. Sogar wichtige politische Entscheidungen und Gesetzgebungen beruhen auf kompliziert berechneten Zahlenkombinationen, welche Glück oder Gelingen verheissen. Aufgefallen ist uns z.B. dass die Autos hier rechts gesteuert sind, obwohl Rechtsverkehr herrscht. Uns wurde erzählt, dies sei so, weil vor einigen Jahren ein besonders astrologiegläubiger General über Nacht den Befehl zum Wechsel von Links- auf Rechtsverkehr gegeben hat, als ihm dies aus übersinnlichen Gründen erforderlich schien; die Autos aber blieben rechtsgesteuert. Was im Strassenverkehr von Yangon ebenfalls auffällt ist, dass es keine Motorräder hat, welche ja sonst als relativ billige Alternative zu Autos praktisch jedes (südost)asiatische Stadtbild prägen. Der Grund hierfür ist allerdings kein Astrologischer sondern viel profaner ein Machtpolitischer: Nachdem ein General in Yangon einen Unfall erlitten hatte, in den ein Motorrad involviert war, liess er diese Gefährte in und um die Stadt kurzerhand verbieten…

Yangon ist während unseres Kurzbesuches keine Liebe für mich geworden, auch nicht auf den 2. Blick… Gespannt, wie sich diese Stadt in den nächsten paar Jahren entwickeln wird, bin ich aber schon. Ich habe in einer versteckt gefilmten Dokumentation vor ein paar Jahren erschreckend gespenstische Szenen aus dem damaligen Alltagsleben in Yangon gesehen, wo die Menschen in der Öffentlichkeit wie versteinert schienen und weder gelacht noch miteinander gesprochen haben, aus Angst vom Geheimdienst belauscht zu werden oder sich sonst in eine Gefahr zu bringen, die von den allgegenwärtigen Militärs ausging. Wie wenig Zeit seither vergangen ist und wie fröhlich und offen uns die Menschen jetzt hier begegnen – wie z.B. meine „Freundinnen“ aus dem Frauenverein – ist fast unglaublich! Einfach in der Öffentlichkeit mit einem Fremdenführer über Aung San Suu Kyi und die Vorteile des kontrollfreien Individualreisens plaudern zu können, hätte ich mir vor dieser Reise genau so wenig vorstellen können, wie zu sehen, dass in Yangon am Kiosk ganz offiziell eine zweisprachige Zeitschrift mit dem Titel „Menschenrechte und Demokratie“ verkauft wird.

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