Tokyo again

Tokyo 🇯🇵

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Nur eine Flugstunde liegt zwischen der kühlen, grünen Weite Hokkaidos und der brodelnd feuchten Hitze Tokyos, in die wir nun zurück gekehrt sind. Die Stadt hat ihr Sommerfieber und, wie die Einheimischen auch, probieren auch wir alles aus, um nicht vollends zu zerfliessen: Wir duschten kalt, und als wir merkten, dass dies nichts nützt, versuchten wir es mit heissen Bädern, als einer Art Antitherapie… Wir trinken literweise kühles Bier. Ich stellte morgens von Cappucino auf Eiskaffee um – eine Massnahme, die der Italiener allerdings verweigerte ;-))) Wir krempeln trotz kritischer Blicke die Ärmel hoch, weil Tattoos hier noch immer mit dem organisierten Verbrechen der „Yakuza“ in Verbindung gebracht werden und entsprechend nicht gerne gesehen werden. Einzig im Kimono wage ich mich nicht auf die Strasse, weil man als Nichtjapanerin einfach nicht annähernd elegant genug darin aussieht… Es ist aber doch so, dass jetzt im Sommer auch in Tokyo viel mehr Leute im Kimono unterwegs sind, als bei unserer letzten Japanreise, die im Herbst stattfand. Einerseits junge Frauen und Männer in leichten Baumwollkimonos (Yukatas), was völlig nachvollziehbar ist, weil diese wirklich sehr luftig sind. Daneben aber auch ältere Frauen in mehrschichtigen Kimonomonturen, die alles andere als luftig wirken. Da sie aber trotzdem in vollendeter Eleganz und ohne ein sichtbares Schweisströpfchen dahin schweben, ist Renato überzeugt, dass sie irgend ein integriertes Kühlsystem darunter tragen ;-)))

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In Tokyo ist dieses mal das Ueno-Quartier unsere Basis. Die Stadt erinnert hier fast ein wenig an Bangkok, mit einem lauten Strassenmarkt, improvisierten Garküchen im Park und einem zünftigen Touch Rotlichtmilieu. Aber so klar man in Bangkok als westliche Ausländer die primäre Zielscheibe jedes Angebots ist, so klar ist man hier als Westler eigentlich unsichtbar, wird kaum wahrgenommen oder geschweige denn als potentielle Kundschaft umworben.

Am Fusse der Treppe zum Ueno Park sitzt jeden Tag ein Mann, der wunderschöne Kalligraphien schreibt. Auch für westliche Namen sucht er sorgfältig passende Kanji mit der entsprechenden Aussprache aus, da alle nichtjapanischen Worte und damit eben auch westliche Namen, eigentlich nicht mit Kanji- sondern mit Katakanazeichen geschrieben werden, die sich für die Kalligraphiekunst nicht eignen. So haben wir denn auch unsere Namen schreiben und uns die Zeichen vom Künstler erklären lassen.4.1247009835.tokyo11

Für das aktuell stattfindende Tanabata-Matsuri sind viele Strassen und Geschäfte mit Lampions und bunten Girlanden geschmückt, was sehr schön aussieht. Die Legende zum Tanabata-Fest geht so: Orihime, die Tochter des Himmelsgottes, war eine fleissige Weberin, die von ihrem Vater mit dem Rinderhirten Hikoboshi verheiratet wurde. Sie waren so verliebt, dass beide darüber ihre Arbeit vergassen – die Rinder wurden krank und der Himmelsgott bekam keine neuen Kleider mehr. Darüber war er so erbost, dass er Hikoboshi auf die andere Seite des der Milchstrasse verbannte. Einmal im Jahr, am Tanabatatag, dürfen sich die beiden Liebenden treffen. Am Abend vor dem 7. Juli werden Zettel mit Wünschen aufgehängt werden, in der Hoffnung, dass sich diese erfüllen werden.4.1247009835.tokyo8

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Im Ueno-Park wohnen auch Tokyos Obdachlose, ca. 30‘000 sind es angeblich. Die einen wirken so, als hätten sie erst gerade jetzt, in der aktuellen Wirtschaftskrise, ihren Job verloren und damit – im löchrigen japanischen Sozialversicherungssystem – gleich alles. Anderen sieht man an, dass sie wohl schon viele Jahre so leben. Doch allen gemeinsam ist eine ganz besondere Würde, die sie ausstrahlen. Ihr Hab und Gut liegt fein säuberlich gestapelt auf Rollwägelchen, die Schuhe werden selbstverständlich ausgezogen, bevor sie sich auf einer Parkbank schlafen legen, und mit Essstäbchen wird der Bereich vor dem eigenen Bänkli auch immer wieder akribisch von Verunreinigungen gesäubert. Aber auch ausserhalb des Ueno-Parks sahen wir diesmal in Tokyo auffallend mehr Obdachlose, als 2007. Und dort sind sie auch gleich stark von Alkohol, anderen Drogen und Verwahrlosung betroffen, wie in den Grossstädten anderer Länder.

Von Ueno aus sind wir an einem Abend ins Asakusaquartier gefahren, wo wir auf unserer 1. Reise ein sehr gutes und sympathisches Restaurant entdeckt hatten. Man sucht sich direkt verschiedene Fische, Meeresfrüchte oder auch Gemüse aus, dass dann grilliert und einem vom Grilleur selbst mittels einer langen Holzschaufel gereicht wird. Dazu ein kühles Bier oder einer der unzähligen Sakesorten, die es dort gibt, und der Genuss ist perfekt!

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