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Kurashiki 🇯🇵
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Nach Okayama sind wir gekommen, um den Koraku-en Garten zu bestaunen, der ebenfalls zu den Top-3-Gärten Japans gehört, zu bestaunen. Wirklich begeistert hat er uns allerdings nicht, da ihm der Reiz der bisher von uns gesehenen japanischen Gärten abgeht. Ausser einer grosszügigen Teichanlage besteht er praktisch ausnahmslos aus Rasenflächen mit einzelnen Büschen und wirkt damit ein wenig wie ein Golfplatz aus der Edozeit ;-)))





Eine Burg hat Okayama ebenfalls. Im Gegensatz zur weissen Reiher-Burg von Himeji, ist diese schwarz und wird deshalb auch Krähenburg (U-jo) genannt. Allerdings ist sie keine im Original erhaltene Burg, wie die Himeji-Burg.

Übernachtet haben wir etwas ausserhalb von Okayama, im sehr idyllischen Nachbarörtchen Kurashiki, in einem 250-jährigen Ryokan, das direkt an einem Flüsschen liegt.

Es ist es ein sehr traditionelles Gasthaus in dem man gelinde gesagt, etwas überbetreut wurde. Man ging jeweils mit einem etwas komischen Gefühl ein und aus, weil einem bei jedem Verlassen des Hauses nicht weniger als drei Leute von den Pantoffeln in die Schuhe geholfen haben, und die Empfangsdame so lange auf den Knien in der Eingangshalle verharrte, bis man aus dem Blickfeld entschwunden war. Im Ryokan hat man oft kein eigenes Badezimmer, sondern ein nach Geschlechtern getrenntes Gemeinschaftsbad, wo man sich zuerst auf einem kleinen Schemel hockend gründlich abseift und abspült und sich dann in einem Sitzbad mit heissem Wassereine Weile entspannt. Danach zieht man die sogenannte Yukata an, einen Baumwollkimono, der vom Ryokan zur Verfügung gestellt wird. Diesen zieht man dann nicht mehr aus, solange man sich im Haus oder Garten aufhält und trägt ihn also auch zum Essen. Nachtessen im Kaiseki-Stil und Frühstück sind im Preis inbegriffen und werden entweder im einem Extrasaal oder aber in ganz privater Atmosphäre im Schlafzimmer serviert. Man kniet dabei auf Kissen an einem niedrigen Tisch und leidet spätestens nach 5 Minuten an Gefässabklemmung in den Beinen. Die Kunst ist es dann, trotz Schmerzen die Beine nur so diskret umzuplatzieren, dass man trotz Kimono nicht unanständig dasitzt… Das Essen selbst besteht aus Hunderten von Schälchen in Dutzenden von Gängen, wobei das meiste leicht und kleinportionig ist. Vor allem sind es Fisch, Meeresfrüchte, Tofu und Gemüse, roh, eingelegt, gedünstet, grilliert… Dasselbe gilt übrigens für das Frühstück, das praktisch gleich aufgebaut und auch gleich reichhaltig ist. Sobald beim Nachtessen Reis serviert wird, weiss man, dass nun alles „überstanden“ ist, denn dieser bildet den traditionellen Abschluss der Kaiseki-Mahlzeit. Da die japanischen Ryokangäste meist nur eine Nacht bleiben, sind die meisten Ryokans auf ein einziges, saisonal wechselndes Menu eingestellt. Bleibt man länger als eine Nacht, erhält man für die folgenden Abendessen je nach Ort unterschiedliche Variationen. In Kurashiki hatten wir am zweiten Abend das japanische Nationalgericht Sukiyaki, einen Eintopf aus Pouletstückchen, Pilzen und Gemüsen, die man direkt am Tisch in einem Topf gart und dann vor dem Essen noch in rohes Ei tunkt. Wir hatten pro Person sicher fast ein ganzes Huhn verspiesen und waren eigentlich schon reichlich satt, sodass wir die Frage unserer Tischköchin: Do you like Tempura? für eine allgemeine und unverfängliche Smalltalk-Frage hielten, aber ganz bestimmt nicht für die Ankündigung des nächsten Ganges, was sie jedoch war. So wurde dann also nach dem schon ungewöhnlich sättigenden Sukiyakimahl noch Tempura – im Teig frittierte Fisch- und Gemüsestücke – serviert. Auch das nächste, was danach hereingetragen wurde, stellte sich leider noch nicht als Reis heraus, sodass wir vor dem erlösenden Reisgang noch einige Suppen und Fischspezialitäten serviert bekamen. Ein „ich kann nicht mehr“ oder „danke, davon möchte ich nicht, ich habe schon mit dem Rest genug“ wurde dabei konsequent japanisch ignoriert ;-)))


