Tokyo – Vielfalt und Kontraste

Tokyo 🇯🇵

japan07 672_bearbeitet-1Nicht alles, was wir hier in Tokyo erleben, hätten wir vor unserem ersten Trip nach Japan so erwartet. Zum Beispiel, dass abends mitten in dieser Millionenmetropole ein zuckersüsses Lied durch die Gassen hallt und, dass man, wenn man diesen Tönen folgt, auf den „Yaki-Imo-Mann“ trifft, der mit seinem winzigen Lastwägelchen durch die Quartiere fährt, auf dessen Ladefläche er einen kleinen Holzofen stehen hat, auf dem er Süsskartoffen zubereitet, die er verkauft. Das haben wir natürlich nicht im Glimmer-Flimmer-Tokyo erlebt, das ohnehin nur einen Teil dieser Stadt ausmacht, sondern einfach irgendwo in einem peripheren Wohnquartier, wo Tokyo so gar nichts Grossstädtisches hat…

Sowieso schrumpft Tokyo durch das extrem effiziente U-Bahn-Netz trotz seiner massiven Grösse gefühlsmässig irgendwie zur Kleinstadt, denn alles ist total schnell und einfach erreichbar. Und ausser gerade in den Bar- und Clubquartieren, geht man in Tokyo  durchaus früh zu Bett. Dass man zudem auch nicht gerade früh aufsteht und zwischendurch, egal ob in der U-Bahn, im Zug oder im Restaurant, immer mal wieder ein Schläfchen hält, muss wohl einer der Gründe sein, weshalb man so viele alte topfitte Leute sieht, die z.B. Velo fahren. Velo fahren ist in Japan sehr beliebt und meiner Ansicht nach das Einzige, was ziemlich offensichtlich ziemlich schwachsinnig organisiert ist. Velofahrer und Fussgänger teilen sich den Gehsteig, meist ohne separaten Streifen, ohne Regeln, ohne Klingel… Trotz vieler brenzliger Situationen wird deswegen aber nicht etwa geflucht oder geschimpft (wie auch im Strassenverkehr ganz im Gegensatz z.B. zu Bangkok nicht gehupt wird), sondern jeder tut, was er kann, um den anderen nicht im Weg zu sein, bzw. niemanden umzufahren. Wir erleben die Japaner also wirklich so höflich, wie das landläufig behauptet wird. Und obwohl das manchmal fast schon too much ist, ist es auch angenehm, weil sie zugleich sehr herzlich und hilfsbereit sind, oder wo auf der Welt wird man sonst von einer Büroangestellten vom 7. Stock im falschen Hochhaus persönlich in den 7. Stock des richtigen Hochhauses begleitet, weil man sich auf der Suche nach einem Internetcafe im Hochhaus geirrt hat und einfach irgend in ein Büro gelatscht ist? Uns ist genau dies passiert, und wir waren sehr verblüfft darüber!

So ist Tokyo also in vielem ganz anders als wir es erwartet hätten und gleichzeitig erfüllt es all die Vorstellungen, die wir davon hatten: Phantastisches Essen, bei dem man nicht immer ganz sicher ist, woraus es genau besteht… Der Kontrast zwischen schrillbunten Hochhausquartieren und grünen Parkoasen… Eine Ästhetik, die sich durch alles durchzieht, von Kimonostoffen über wunderschön arrangierte Speisen bis zu handtuchgrossen bzw. -kleinen Hinterhofgärtchen… Die kleinen Entdeckung sind manchmal also die faszinierendsten aber natürlich haben wir in den letzten Tagen auch einige der grossen bzw. berühmten Sehenswürdigkeiten besichtigt: Den Kaiserpalast bzw. den Teil des Palastgartens, der überhaupt für die Öffentlichkeit zugänglich ist, den Meiji-Schrein und den Senso-ji Tempel in Asakusa, den Tsukiji-Fischmarkt frühmorgens, wo man als Tourist allerdings das Gefühl hat, im geschäftigen Gewusel permanent im Weg zu stehen,  und Shinjuku abends, wenn bunte Lichter und ebenso bunte Menschen das Strassenbild beherrschen. Was in Tokyo allerdings ausser in einigen Tempelanlange kaum mehr irgendwo spürbar ist, ist „das alte Japan“. Morgen ziehen wir weiter in Richtung Alpen nach Takayama.

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